Brauner Hund liegt entspannt auf einer blauen Behandlungsliege

Fachbegriffe aus der Hundephysiotherapie von A bis Z

Inhaltsverzeichnis

Wer mit seinem Hund zur Physiotherapie geht, hört schnell Begriffe wie Propriozeption, Karpfenrücken oder Sesambein. Doch was genau steckt eigentlich dahinter?

In der Hundephysiotherapie spielen Anatomie, Bewegungsabläufe und neurologische Funktionen eine wichtige Rolle. Dieses kleine Lexikon erklärt Dir die wichtigsten Fachbegriffe von A bis Z.


A – Abduktion

Bei einer Abduktion wird eine Gliedmaße vom Körper weggeführt. Beim Hund kann beispielsweise das seitliche Wegführen eines Vorder- oder Hinterbeins als Abduktion bezeichnet werden.

Das Gegenteil ist die Adduktion, also das Heranführen einer Gliedmaße an den Körper.

B – Beugung (Flexion)

Bei der Flexion wird ein Gelenk gebeugt und der Winkel zwischen den beteiligten Knochen kleiner.

Bei der physiotherapeutischen Untersuchung wird unter anderem geprüft, wie weit sich ein Gelenk beugen lässt und ob dabei Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen auftreten.

C – Cauda equina

Die Cauda equina bezeichnet das Nervenbündel im hinteren Bereich des Wirbelkanals. Der Begriff bedeutet wörtlich „Pferdeschweif“.

Eine Einengung dieses Bereichs kann unter anderem Schmerzen, neurologische Ausfälle oder Probleme bei der Bewegung verursachen.

D – Dysmetrie

Von Dysmetrie spricht man, wenn eine Bewegung hinsichtlich ihrer räumlichen Ausführung nicht richtig dosiert werden kann.

Der Hund setzt beispielsweise die Pfote zu weit oder zu kurz auf. Dysmetrische Bewegungen können unter anderem bei neurologischen Erkrankungen auftreten.

E – Extension

Extension bedeutet Streckung eines Gelenks.

In der Physiotherapie wird beispielsweise überprüft, wie weit sich Schulter, Ellenbogen, Hüfte oder Knie strecken lassen und ob dabei Einschränkungen oder Schmerzen auftreten.

F – Flexion

Flexion ist der Fachbegriff für die Beugung eines Gelenks.

Sie wird bei der physiotherapeutischen Befundung häufig gemeinsam mit der Extension beurteilt, um den Bewegungsumfang eines Gelenks einzuschätzen.

G – Gangbild

Das Gangbild beschreibt, wie sich ein Hund fortbewegt.

Dabei werden unter anderem Schrittlänge, Takt, Belastung der einzelnen Gliedmaßen, Pfotenstellung und Bewegungsabläufe betrachtet. Veränderungen des Gangbildes können Hinweise auf Schmerzen, orthopädische oder neurologische Probleme geben.

H – Hinterhand

Mit Hinterhand wird beim Hund der Bereich der hinteren Körperhälfte bezeichnet. Dazu gehören unter anderem Becken, Hüftgelenke, Oberschenkel, Knie, Unterschenkel und Pfoten.

Eine funktionierende Hinterhand ist entscheidend für Kraftentwicklung, Stabilität und Vortrieb.

I – Iliopsoas

Der Musculus iliopsoas ist eine wichtige Muskelgruppe im Bereich von Lendenwirbelsäule und Hüfte.

Er beteiligt sich unter anderem an der Beugung des Hüftgelenks. Beschwerden im Bereich des Iliopsoas können sich beispielsweise durch Schmerzen, verkürzte Schritte oder eine veränderte Bewegung zeigen.

J – Joint Play

Joint Play bezeichnet die kleinen passiven Bewegungen innerhalb eines Gelenks, die nicht aktiv vom Hund ausgeführt werden.

In der Physiotherapie können diese Bewegungen untersucht und – sofern angezeigt – therapeutisch genutzt werden, um die Gelenkbeweglichkeit zu beurteilen oder zu verbessern.

K – Karpfenrücken (Kyphose)

Als Karpfenrücken wird eine nach oben gewölbte Wirbelsäulenform bezeichnet. Der medizinische Begriff dafür ist Kyphose.

Eine verstärkte Kyphose kann beispielsweise durch eine veränderte Körperhaltung, Schmerzen oder strukturelle Veränderungen entstehen.

L – Lateral

Lateral bedeutet „seitlich“ bzw. „zur Seite hin“.

Der Begriff wird in der Anatomie verwendet, um die Lage einer Struktur zu beschreiben. Das Gegenteil ist medial, also zur Körpermitte hin.

M – Muskeltonus

Der Muskeltonus beschreibt die Grundspannung eines Muskels.

Ein erhöhter Muskeltonus kann sich beispielsweise als verspannte oder verhärtete Muskulatur zeigen. Ein deutlich herabgesetzter Muskeltonus kann dagegen unter anderem bei bestimmten neurologischen Problemen auftreten.

N – Neurologie

Die Neurologie beschäftigt sich mit dem Nervensystem – also unter anderem mit Gehirn, Rückenmark und peripheren Nerven.

In der Hundephysiotherapie spielt die neurologische Befundung eine wichtige Rolle, beispielsweise bei Hunden mit Bandscheibenvorfällen, Rückenmarkserkrankungen oder anderen neurologischen Erkrankungen.

O – Orthopädie

Die Orthopädie beschäftigt sich mit Erkrankungen und Veränderungen des Bewegungsapparates.

Dazu gehören unter anderem Gelenke, Knochen, Muskeln, Sehnen und Bänder. Viele Hunde kommen aufgrund orthopädischer Beschwerden zur Physiotherapie.

P – Propriozeption

Propriozeption wird häufig als Tiefensensibilität bezeichnet. Sie ermöglicht dem Hund, die Stellung und Bewegung seiner Gliedmaßen wahrzunehmen, ohne sie dabei ansehen zu müssen.

In der Physiotherapie wird die Propriozeption beispielsweise durch verschiedene Balance- und Koordinationsübungen trainiert.

Eine gestörte Propriozeption kann unter anderem bei neurologischen Erkrankungen auftreten.

Q – Quadrizeps

Der Musculus quadriceps femoris, kurz Quadrizeps, ist ein großer Muskel an der Vorderseite des Oberschenkels.

Er ist vor allem für die Streckung des Kniegelenks wichtig und spielt damit eine zentrale Rolle bei der Fortbewegung.

R – Rekonvaleszenz

Rekonvaleszenz bezeichnet die Erholungsphase nach einer Erkrankung, Verletzung oder Operation.

Physiotherapie kann während dieser Phase dazu beitragen, Beweglichkeit, Muskulatur und Belastbarkeit schrittweise wieder aufzubauen.

S – Spreizpfote

Bei einer Spreizpfote stehen die Zehen stärker auseinander und die Pfote wirkt insgesamt breiter.

Eine veränderte Pfotenstellung kann unterschiedliche Ursachen haben und beispielsweise mit einer veränderten Belastung, Instabilität oder muskulären beziehungsweise neurologischen Problemen zusammenhängen.

Bei der physiotherapeutischen Untersuchung wird deshalb nicht nur die Pfote selbst, sondern der gesamte Bewegungsablauf betrachtet.

Sesambein

Sesambeine sind kleine Knochen, die in oder nahe an Sehnen beziehungsweise Gelenken liegen.

Beim Hund befinden sich beispielsweise mehrere Sesambeine im Bereich der Zehen. Sie können die Funktion von Sehnen unterstützen und Kräfte innerhalb des Bewegungsapparates beeinflussen.

Sitzbeinhöcker

Der Sitzbeinhöcker ist ein knöcherner Vorsprung des Sitzbeins am Becken.

Er dient unter anderem als Ansatzbereich verschiedener Muskeln und ist anatomisch bei der Beurteilung des Beckens und der Hinterhand relevant.

T – Triggerpunkt

Ein Triggerpunkt ist ein besonders empfindlicher Bereich innerhalb eines Muskels, der bei Druck Schmerzen auslösen kann.

In der Physiotherapie können solche Bereiche ertastet und je nach Befund gezielt behandelt werden.

U – Unterwasserlaufband

Das Unterwasserlaufband wird in der Hydrotherapie häufig eingesetzt, um Bewegung unter kontrollierten Bedingungen zu ermöglichen.

Der Auftrieb des Wassers reduziert die Belastung der Gelenke, während der Wasserwiderstand gleichzeitig eine zusätzliche Trainingsmöglichkeit bietet.

V – Vibrationstherapie

Bei der Vibrationstherapie werden mechanische Schwingungen auf das Gewebe übertragen.

Sie kann in der Hundephysiotherapie beispielsweise zur Unterstützung der Muskelaktivität, Wahrnehmung oder Entspannung eingesetzt werden – abhängig vom individuellen Befund und Therapieziel. Für die Anwendung zu Hause gibt es passende Leihgeräte.

W – Wirbelsäule

Die Wirbelsäule besteht beim Hund aus mehreren Abschnitten: Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule, Lendenwirbelsäule, Kreuzbein und Schwanzwirbelsäule.

Sie schützt das Rückenmark und ermöglicht gleichzeitig Bewegungen und Stabilität des Körpers.

X – X-Bein-Stellung

Bei einer X-Bein-Stellung weichen die Gliedmaßenachsen von der physiologischen Stellung ab, sodass die Gliedmaßen von vorne oder hinten betrachtet eine X-ähnliche Form bilden können.

Solche Fehlstellungen können die Belastungsverteilung innerhalb der Gliedmaße beeinflussen und sollten entsprechend beurteilt werden.

Z – Zehengelenke

Die Zehengelenke sind die Gelenke innerhalb der einzelnen Zehen.

Sie spielen bei der Belastung und Abrollbewegung der Pfote eine wichtige Rolle. Veränderungen oder Schmerzen in diesem Bereich können sich unter anderem auf das Gangbild auswirken.


Fachbegriffe müssen nicht kompliziert sein

Die Fachsprache der Hundephysiotherapie kann auf den ersten Blick kompliziert wirken. Viele Begriffe beschreiben jedoch ganz einfach bestimmte Bewegungen, Körperregionen oder Funktionen.

Wenn Du mit Deinem Hund zur Physiotherapie kommst, erkläre ich Dir selbstverständlich, was die jeweiligen Begriffe und Befunde für Deinen Hund konkret bedeuten. Denn entscheidend ist nicht nur der Fachbegriff, sondern immer der gesamte Befund und das individuelle Gangbild Deines Hundes.

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