Viele Erkrankungen des Bewegungsapparats treten bei bestimmten Hunderassen deutlich häufiger auf als bei anderen. Der Grund liegt meist im Körperbau: ein sehr langer Rücken, ungünstige Winkelungen oder eine genetische Veranlagung für Gelenkfehlstellungen belasten den Hund ein Leben lang. Wer weiß, wofür die eigene Rasse anfällig ist, kann früh gegensteuern – genau hier setzt die Hundephysiotherapie an.
In diesem Beitrag schauen wir uns drei Rassegruppen genauer an: den Dackel, den Deutschen Schäferhund und die Retriever-Rassen. Am Ende findest du außerdem den typischen Ablauf einer physiotherapeutischen Behandlung.
Dackel: langer Rücken, kurze Beine
Typische Erkrankungen beim Dackel
Der Dackel gehört zu den Hunderassen mit einer erhöhten genetischen Veranlagung für Bandscheibenvorfälle (Dackellähme). Durch den langen Rücken und die kurzen Beine wird die Wirbelsäule besonders stark belastet.
Weitere häufige Probleme:
- Rückenverspannungen
- Bewegungseinschränkungen
- Lahmheiten
- Arthrose im Alter
Wie kann Physiotherapie deinem Dackel helfen?
Die Hundephysiotherapie ist ein wichtiger Bestandteil bei der Behandlung und Prävention von Rückenproblemen. Ziel ist es,
- die Muskulatur zu stärken
- die Wirbelsäule zu stabilisieren
- Schmerzen zu reduzieren
- Beweglichkeit zu erhalten
Besonders nach einem Bandscheibenvorfall oder bei ersten Anzeichen von Steifheit ist eine frühzeitige physiotherapeutische Unterstützung entscheidend. Wie eine Reha nach einem Eingriff abläuft, liest du im Beitrag Rehabilitation nach einer Operation.
Das Unterwasserlaufband: gelenkschonendes Training
Die Therapie auf dem Unterwasserlaufband wird häufig zur Rehabilitation nach einem Bandscheibenvorfall empfohlen. Was Wasser in der Therapie leisten kann, erfährst du im Beitrag zur Hydrotherapie in der Hundephysiotherapie.
- Der Auftrieb des Wassers reduziert das Körpergewicht.
- Die Bewegungen sind gelenkschonend.
- Die Wärme des Wassers unterstützt die Entspannung des geschädigten Gewebes.
Weitere Tipps zur Unterstützung der Genesung
Neben der Hundephysiotherapie und dem Training auf dem Unterwasserlaufband kannst du auch im Alltag viel tun, um den Heilungsprozess zu unterstützen:
- Rampen statt Treppen
Springen und hohe Stufen möglichst vermeiden. - Bequemer Liegeplatz
Ein angepasster Liegeplatz entlastet die Gelenke. - Gewichtskontrolle
Übergewicht belastet die Bandscheiben zusätzlich. - Sanfte Bewegung
Spaziergänge in gemäßigtem Tempo statt langer, intensiver Runden.
Auch die Ausrüstung spielt eine Rolle: Ein schlecht sitzendes Geschirr kann die Schulter- und Rückenmuskulatur zusätzlich belasten. Worauf du achten solltest, steht im Beitrag Geschirre beim Hund.
Deutscher Schäferhund: HD, ED und Überlastung
Häufige Erkrankungen beim Schäferhund
Der Deutsche Schäferhund ist eine sehr aktive und leistungsstarke Rasse, bringt jedoch häufig genetische Prädispositionen mit. Typische Erkrankungen sind:
- Hüftdysplasie (HD)
- Ellenbogendysplasie (ED)
- Arthrose
- Muskelverspannungen durch Überlastung
Unterstützung durch Hundephysiotherapie
Physiotherapie spielt hier eine zentrale Rolle – sowohl präventiv als auch begleitend. Die Vorteile:
- Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit
- Muskelaufbau zur Entlastung der Gelenke
- Schmerzreduktion
- Erhalt der Leistungsfähigkeit
Gerade bei jungen, sportlich geführten Hunden kann eine frühzeitige Physiotherapie langfristige Schäden verhindern. Für Welpen und Junghunde gibt es dafür ein eigenes Angebot: Physiotherapie für Welpen.
Retriever-Rassen: Labrador und Golden Retriever
Sowohl der Labrador Retriever als auch der Golden Retriever gehören zu den beliebtesten Familienhunden – mit bekannten gesundheitlichen Herausforderungen.
Häufige Erkrankungen bei Retrievern
- Hüftdysplasie (HD)
- Ellenbogendysplasie (ED)
- Arthrose beim Hund
- Übergewicht und die daraus folgende zusätzliche Gelenkbelastung
Wie Physiotherapie helfen kann
Physiotherapie unterstützt Retriever dabei, lange aktiv und schmerzfrei zu bleiben. Die Ziele:
- Gelenkentlastung durch gezielten Muskelaufbau
- Verbesserung der Beweglichkeit
- Schmerzlinderung
- Unterstützung beim Gewichtsmanagement durch angepasste Bewegung
Prävention ist entscheidend
Gerade bei Retriever-Rassen lohnt sich eine frühzeitige Physiotherapie – auch ohne akute Beschwerden. Regelmäßige Checks und gezielte Übungen helfen, Erkrankungen vorzubeugen und die Lebensqualität deines Hundes deutlich zu verbessern.
Typischer Ablauf einer Behandlung
Die Therapie verläuft immer individuell und zielgerichtet. Sie kombiniert eine Ganganalyse, passive Behandlungen zur Schmerzlinderung und aktive Übungen zum Muskelaufbau.
1. Erstuntersuchung und Befunderhebung
- Gangbildanalyse
Der Hund wird beim Gehen, Laufen, Hinsetzen und Aufstehen beobachtet, um Lahmheiten oder Entlastungshaltungen zu erkennen. - Abtasten (Palpation)
Schmerzpunkte, Verspannungen, Muskelschwund oder Schwellungen werden ertastet. - Behandlungsplan
Auf Basis des Befunds entsteht ein individueller Therapieplan.
2. Passive Physiotherapie: Entspannung und Schmerzlinderung
- Massagen
Lösen von Verspannungen und Steigerung des Wohlbefindens. - Passive Bewegungstherapie
Die Gelenke werden vorsichtig bewegt, um die Beweglichkeit zu erhalten oder zu verbessern. - Wärme- oder Kälteanwendungen
Wärme hilft bei chronischen Verspannungen, Kälte bei akuten Entzündungen. - Laser- oder Magnetfeldtherapie
Zur Unterstützung der Heilung – mehr dazu im Beitrag zur Lasertherapie in der Hundephysiotherapie.
3. Aktive Physiotherapie: Muskelaufbau und Koordination
- Unterwasserlaufband
Ideal bei HD und ED, da der Auftrieb des Wassers die Gelenke entlastet und gleichzeitig Muskulatur aufgebaut wird. - Bewegungsparcours
Übungen mit Cavaletti, Balancekissen oder Wackelbrettern verbessern Koordination und Tiefenmuskulatur – siehe Propriozeptionstraining für Hunde. - Gezielte Übungen
Sitz-Platz-Steh-Übungen oder langsames Bergauf- und Bergabgehen.
4. Heimtherapie
Du lernst Übungen, die du zu Hause durchführen kannst, um den Heilungsprozess zu beschleunigen und die Stabilität langfristig zu erhalten. Begriffe, die dir dabei begegnen, findest du gesammelt in den Fachbegriffen aus der Hundephysiotherapie von A bis Z.
Braucht mein Hund überhaupt Physiotherapie?
„Mein Hund ist fit und bewegt sich gerne – also braucht er keine Behandlung?“
Das stimmt nur teilweise. Bei Rassen mit genetischen Prädispositionen werden körperliche Beschwerden durch die Zucht bewusst in Kauf genommen. Genau genommen gibt es sogar eher wenige Rassen, die noch einem natürlichen Körperbau entsprechen. Dazu kommen Rassen, die zwar nicht grundsätzlich ungünstig gebaut sind, aufgrund ihrer Genetik aber zu Gelenkerkrankungen wie HD oder ED neigen – wie eben die Retriever. Solche Veränderungen lassen sich bei einem Termin mit der Hundephysiotherapeutin frühzeitig erkennen und prophylaktisch behandeln.
Wann eine Behandlung sinnvoll ist und woran du erste Anzeichen erkennst, liest du im Beitrag Physiotherapie – wann sie sinnvoll ist und wie sie hilft. Bei älteren Hunden lohnt sich außerdem ein Blick auf die Seite Physiotherapie für alte Hunde.


